Seetaler Bote | 23.10.2025 | Text und Fotos: Werner Rolli

Am Ende zählt der Applaus

Die Premiere des neuen Rabenbühne-Stücks «Inkognito» vom 31. Oktober naht mit Riesenschritten. In der Aula der Kantonsschule Baldegg wird das Bühnenbild fertiggestellt und die Endproben finden mit Kostüm und Make-up statt.

Seetaler Bote | von Werner Rolli

Als sich Kantonsschülerin Lienne Vogel (16) vor drei Jahren den «Äschetoni» angesehen hat, war sie begeistert. Sie wusste, dass eine Kollegin im Ensemble mitspielt und beschloss, dem Verein Rabenbühne Hitzkirch beizutreten. Im aktuellen Stück «Inkognito» spielt sie ihre erste Rolle. Vorher habe sie einige Jahre bei Krippenspielen in der Kirche mitgemacht. Dann belegte sie in der Kantonsschule einen einwöchigen Theater-Workshop, wo sie das Improvisationstheater kennengelernt habe. Das Theater, sagt sie, habe sie schon länger interessiert.

«Ich bin Polina, das Zimmermädchen», erzählt sie: «Ich bin angestellt im Gasthaus «Weissen Anker» und für mich ist das schon eine Ehre, dass ich dort arbeiten darf. Das ist mir auch bewusst, weil ich aus einer weniger privilegierten Ecke der Stadt komme.» Es sei noch eine kleine Rolle, meint sie, so stehe sie noch nicht allzu sehr im Rampenlicht. Junge Menschen sind viel auf TikTok oder YouTube präsent, der Begriff «Influencer» ist in aller Munde. Dennoch hat das Theater für Lienne Vogel einen besonderen Reiz: «So wirklich gereizt, vor der Kamera zu stehen, in der Öffentlichkeit, hat es mich nie. Das Thea­ter bietet andere Möglichkeiten.»

Kaum Lampenfieber

Viele ihrer Kolleginnen würden sich kaum ein Theater ansehen. Sie kommen wohl eher ihr zuliebe. «Aber ich finde es etwas sehr Schönes, nicht zuletzt weil man halt nicht mehrere Versuche hat, es aufzunehmen. Man muss die Emotionen zeigen. Das ist halt live.» Lampenfieber habe sie kaum, sagt sie, aber: «Wir sind ja erst am Proben. Aber wenn ich auf der Bühne stehe oder einen Vortrag halten muss, dann kommt es meistens gut.» Mit 16 Jahren ist Lienne Vogel die Jüngste im Ensemble. Sie besucht die Kantonsschule, konkrete Pläne, wie es nach dem Abschluss weitergehen soll, hat sie noch keine: «Ich weiss noch nicht genau, wo es hingehen wird. Mathematik oder Informatik interessieren mich. Vielleicht geht es auch in Richtung Medizinstudium. Aber ich möchte mich noch nicht festlegen.»

Bereits festgelegt hat sich Nino Meier: «Ich spiele die Rolle des Juri. Er ist der Sohn des Stadtpräsidenten.» Das sei schon eine tragende Rolle. Er bringt sich gerne ein, beruflich wie auch im Theater.

App hilft Inhalte zu lernen

Beruflich hat sich Nino Meier für eine Lehre als Informatiker entschieden. Er entwickelt IFZ-Applikationen: «Ich habe einen coolen Job gefunden bei der Swisscom. Dort bin ich Teamleiter eines Lernenden-Teams». Für die Rabenbühne hat er eine App entwickelt, die es den einzelnen Schauspielern ermöglicht, ihre Rolle jederzeit mithilfe eines Smartphones zu üben. Die Texte aller Protagonisten lassen sich auswählen. Wer seine Rolle üben will, kann jeden Schauspieler anwählen, mit dem er im Stück in Dialog tritt und dessen Text einsehen. Auf diese Weise lassen sich die Texte und die Einsätze üben. Die App würde es auch ermöglichen, eine Rolle oder ein ganzes Theaterstück zu entwickeln, weil alle ihre Feedbacks, Ideen und Texte eingeben können.

Nino Meier hat vor drei Jahren bereits mitgewirkt, an der Seite seiner Mutter. Weil es ihm Spass gemacht hat und auch ein wenig seiner Mutter zuliebe, hat er sich dann entschlossen, wieder eine Rolle zu übernehmen.

Obwohl er beruflich und schulisch gefordert ist, hat sich Nino Meier wieder auf eine Rolle eingelassen. Was macht für ihn den Reiz des Theaterspiels aus? «Dass man jemand anderes sein kann und nicht immer im Alltagstrott verharrt, sondern sich ausleben darf in einem komplett neuen Menschen. Und dass das auch in Ordnung ist, weil das jeder irgendwie macht», erklärt er und fügt an: «Das ist in der realen Welt immer schwieriger, weil du dort bist, wie du bist, aber im Theater kann ich mich in meiner Rolle ausleben.» Selbst über einen Versprecher oder ein Missgeschick könne man gemeinsam lachen, sagt er und: «Natürlich am Schluss, wenn du vor dem Publikum auf der Bühne spielen darfst und Applaus bekommst, dann weisst du, dass es auch gut gekommen ist.»