Die Rabenbühne Hitzkirch spielt einen Komödienklassiker. Ihre Adaption mit satirischem Biss ist ebenso amüsant wie aktuell.
Luzerner Zeitung | von Yvonne Imbach
Wer hätte gedacht, dass sich die korrupte russische Provinz des 19. Jahrhunderts so nahtlos in eine Unterwasserwelt verlegen lässt? Die Rabenbühne Hitzkirch beweist mit ihrer Mundartadaption von Nikolaj Gogols «Der Revisor», dass Klassiker auch in neuem Styling glänzen können. Unter der Regie von Benedikt Troxler entstand mit «Inkognito» ein ebenso groteskes wie farbenfrohes Spektakel, das das Publikum von der ersten Minute an in seinen Bann zieht. Das Premierenpublikum zeigte sich letzten Freitag begeistert.
In Gogols Komödie erfahren die Beamten einer kleinen Stadt unter der Hand vom Besuch eines Revisors aus der Hauptstadt. Als ein junger, mittelloser Reisender auftaucht, wird er für den gefürchteten Kontrolleur gehalten. Es folgt ein Strudel aus Angst, Bestechung und Selbsttäuschung – eine bitterböse Satire auf Machtmissbrauch und menschliche Eitelkeit.
Das Groteske kommt voll zur Geltung
In Hitzkirch spielt sich das Ganze nun unter der Meeresoberfläche ab. Benedikt Troxler und seine Co-Autorin Tatiana Troxler haben den Text gekürzt und in Dialekt übertragen, ohne den Geist des Originals zu verraten. Die Figuren sind wunderbar gezeichnet, jede Rolle trägt zur absurden Gesamtwirkung bei. Die Spielenden überzeugen mit beeindruckender Textsicherheit – ihr Spiel wirkt leicht und gekonnt, das Timing sitzt, die Pointen treffen. Das Groteske, das Gogols Komödie so stark macht, kommt voll zur Geltung. Es macht enorm Spass, diesem Ensemble zuzusehen. Getragen wird das Spiel von Christoph Blums atmosphärischer Musik, stimmige Lieder setzen dem Ganzen das i-Tüpfelchen auf.
Über 60 Proben
Bühnenbild, Kostüme und Maske verdienen ein besonderes Lob: Die Unterwasserwelt wirkt täuschendecht.Durchraffinierte Technik schwimmen im Hintergrund Fische vorbei, und durch die Bullaugen seitlich des Bühnenraums fällt der Blick bis zur Wasseroberfläche. Die Liebe zum Detail ist in jeder Szene spürbar. Dafür ist die Rabenbühne zurecht bekannt.
Im Gespräch mit Regisseur Benedikt Troxler wird klar, wie viel Arbeit in dieser Produktion steckt. «Das Projekt wurde vor genau einem Jahr eröffnet», sagt er. «Ab Februar 2025 hatten wir über 60 Proben, dazu drei intensive Weekends.» Eine Spielerin stand zum allerersten Mal überhaupt auf der Bühne, fünf weitere feierten ihr Debüt bei der Rabenbühne. Dass man davon nichts merkt, spricht für die intensive Ensemblearbeit.
Zur Textarbeit sagt Troxler: «Die Bearbeitung dauerte über ein halbes Jahr. Wir wollten nahe am Original bleiben, aber die Figuren in unsere eigene, unterseeische Welt holen.» Inhaltlich ist das Stück zeitlos und aktueller denn je. Korruption, Abhängigkeit, Selbsttäuschung – diese Themen beschäftigen uns alle, nur die Kulisse ändert sich. Am Ende bleibt ein Abend, der in Erinnerung bleibt: «Inkognito» ist ein glänzendes Beispiel dafür, wie ein Klassiker neu atmen kann – selbst unter Wasser.